Erste Session auf dem Franz-Neumann-Platz

Selbstversuch in der Zweizimmerwohnung auf dem Franz-Neumann-Platz:
Sonniger Nachmittag am 20. Mai, 10 Tage nach der Eröffnung. Die Einrichtung in dem zu zwei Seiten offenen Container hat die zehn Tage Standzeit und das Wetter gut überstanden. Sofa in dem einem Raum, Küchentisch und vier Flechtstühle in dem andern samt kleiner Bibliothek. Übungskoffer, Wimpel aufgebaut, mal sehen wer oder was so vorbeikommt. „Was ist das hier?“ Zwei Jungs, um die 15. „Was ist das hier?“ Die nächsten sechs, nicht viel älter. Dazu ein spazierengehendes Paar aus der Nachbarschaft, „kann man das auch nutzen? So mit nem Kaffee hinsetzen und so?“ Drei Wanderer mit Akzent von südlich der Alpen, aber wie’s scheint trotzdem einheimisch, finden die Sache so stark, dass sie sich im zweiten Zimmer gleich auf der Sitzgruppe einrichten. Etwas später kommt noch eine Bekannte von ihnen dazu, sehr begeistert, „nehmen denn die Medien auch Notiz davon?“ Zwischendurch: „Ich hab mir mal aus einer Gravurmaschine eine Art E-Pick gebaut, hat ganz gut funktioniert, mit Dreiernocke, hat so 2000 Touren gemacht…“. Vorher noch ein Anruf: „Wer hat bloß den Platz so verunstaltet? Jeden Morgen freue ich mich, dass ich aus meiner Küche den schönen Springbrunnen sehen kann, und jetzt seh ich nur lauter Penner, Autos, Plakate und so eine ‚Zwei-Zimmer-Wohnung‘, was soll denn das? Also ich kenne nur Leute, die darüber den Kopf schütteln“. Man kann’s tatsächlich nicht allen recht machen, wer hätte das gedacht.

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